Boreout
Unter Boreout versteht man einen Zustand chronischer Unterforderung im Beruf, der mit innerer Leere, Erschöpfung und dem Gefühl einhergeht, das eigene Potenzial nicht entfalten zu können. Anders als beim Burnout entsteht die Erschöpfung nicht durch zu viel Arbeit, sondern durch zu wenig sinnvolle Herausforderung.
Boreout im Kontext der modernen Arbeitswelt 2026
- New Work und Sinnfrage: In einer Zeit, in der Selbstverwirklichung und Purpose im Beruf zunehmend wichtiger werden, wird Boreout zu einem zentralen Thema. Menschen wollen ihre Talente einbringen und nicht nur funktionieren.
- KI und Automatisierung: Während repetitive Aufgaben zunehmend automatisiert werden, entsteht für manche die Gefahr, in Positionen festzustecken, die kaum noch Gestaltungsspielraum bieten. Die Diskrepanz zwischen dem, was möglich wäre, und dem, was gelebt wird, verstärkt das Boreout-Erleben.
- Werte-Wandel und Eigenverantwortung: Die jüngere Generation fordert aktiv ein, dass Arbeit erfüllend sein soll. Gleichzeitig steigt das Bewusstsein dafür, dass berufliche Unzufriedenheit nicht hingenommen werden muss, sondern aktiv verändert werden kann.
Was Boreout von anderen Zuständen unterscheidet
Boreout zeigt sich oft in paradoxen Symptomen. Betroffene fühlen sich erschöpft, obwohl sie nicht überlastet sind. Sie entwickeln Strategien, um beschäftigt zu wirken, während sie innerlich längst abgeschaltet haben. Der Arbeitstag wird zur Pflichtübung ohne Erfüllung.
Besonders Menschen mit ausgeprägtem Leistungs-, Wachstums- oder Kreativitätsmotiv leiden unter dieser Form der Unterforderung. Sie brauchen Gestaltungsspielraum, Entwicklungsmöglichkeiten und die Chance, eigene Ideen einzubringen. Durch professionelles Karriere-Profiling in Hamburg wird häufig erst sichtbar, wie stark diese Motive ausgeprägt sind und wie wenig der aktuelle Job ihnen entspricht. Fehlen diese Aspekte, entsteht ein schleichender Prozess der Resignation.
Wie sich Boreout im Berufsalltag äußert
Viele Menschen erleben diesen Zustand, ohne ihn beim Namen zu nennen. Sie spüren eine diffuse Unzufriedenheit, fühlen sich gleichzeitig müde und unruhig. Die Tage ziehen sich, obwohl objektiv genug zu tun ist. Was fehlt, ist die Möglichkeit, die eigenen Fähigkeiten wirklich einzubringen.
Die Anzeichen sind vielfältig und werden oft falsch gedeutet. Betroffene zweifeln an sich selbst, halten sich für undiszipliniert oder zu anspruchsvoll. Sie denken, sie müssten dankbar sein für einen sicheren Arbeitsplatz. Dieser innere Vorwurf verstärkt das Leiden zusätzlich.
Typische Symptome umfassen das Gefühl, auf der Stelle zu treten, obwohl man sich bemüht. Die Motivation sinkt, gleichzeitig steigt die Gereiztheit oder sogar unterschwellige Aggressivität stellt sich ein. Manche Menschen entwickeln körperliche Beschwerden oder ziehen sich sozial zurück. Der Gedanke, so weiterzumachen, wird zunehmend unerträglich.
Warum Boreout oft unerkannt bleibt
Das zentrale Missverständnis liegt in der Selbstzuschreibung. Viele Betroffene glauben, das Problem liege bei ihnen selbst. Sie denken, sie seien zu anstrengend, zu unbequem oder nicht anpassungsfähig genug. Diese Interpretation verdeckt die eigentliche Ursache: Sie befinden sich im falschen Umfeld für ihre Persönlichkeit.
Organisationen mit starren Strukturen, die wenig Raum für Eigeninitiative lassen, verstärken das Problem. Wenn kreative Vorschläge ausgebremst werden oder der Wunsch nach Weiterentwicklung auf taube Ohren stößt, entsteht eine Form der Reibung, die Energie kostet statt gibt.
Welche Wege aus dem Boreout führen
Der erste Schritt liegt im Erkennen der eigenen Motive und Bedürfnisse. Welche Aspekte des Berufslebens fehlen gerade? Was würde einen echten Unterschied machen? Diese Fragen öffnen den Blick für neue Möglichkeiten.
Wichtig ist die Erkenntnis, dass Boreout kein persönliches Versagen darstellt. Es signalisiert eine Diskrepanz zwischen dem, was jemand zu geben hat, und dem, was die aktuelle Position ermöglicht. Diese Klarheit kann eine enorme Erleichterung sein und den Raum schaffen für eine bewusste berufliche Neuausrichtung.
Manche Menschen finden innerhalb ihrer Organisation neue Aufgaben, die besser zu ihnen passen. Andere erkennen, dass ein Wechsel des Umfelds notwendig ist. Wieder andere entdecken in sich den Wunsch nach völlig neuen beruflichen Wegen, manchmal sogar in Richtung Selbstständigkeit.
Wie die berufliche Neuorientierung bei Boreout gelingt
Die Arbeit mit professionellen Instrumenten hilft dabei, die eigenen Persönlichkeitsmuster zu verstehen. Wenn sichtbar wird, welche Motive besonders ausgeprägt sind, entsteht Selbstakzeptanz. Menschen hören auf, sich anzupassen, und beginnen, nach Umgebungen zu suchen, die zu ihnen passen.
Diese Klarheit verändert die gesamte Perspektive. Statt sich im alten Job festzuhalten, entsteht Offenheit für neue Ideen. Die Energie, die vorher im inneren Kampf gebunden war, wird frei für konstruktive Schritte. Manche Menschen beginnen Weiterbildungen, andere wagen einen beruflichen Neuanfang.
Der Prozess braucht Zeit und einen geschützten Raum für Reflexion. Im begleiteten Gespräch können Gedanken sortiert, Zweifel ausgesprochen und Möglichkeiten entwickelt werden. Allein die Frage „Was würden Sie sich stattdessen wünschen?“ kann eine tiefe Erkenntnis auslösen und den Weg in eine erfüllendere berufliche Zukunft ebnen.

